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"Manidham Grameen System" - Eine von armen Frauen genossenschaftlich organisierte Mikrokreditinitiative
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Arme Frauen aus abgelegenen Dörfern Tamil Nadus sowie Slums der Großstadt Chennai haben es geschafft. Sie haben mit ihren eigenen Ersparnissen eine genossenschaftlich organisierte Bank mit inzwischen 16.230 Mitgliedern (share holders) aufgebaut. Zur Zeit 460 beteiligte Dörfer bzw. Slumgebiete aus sieben Distrikten sind in 21 Zweigstellen aufgeteilt.
Die Andheri-Hilfe und ihre Partnerorganisation "Women Education Development (WED) Trust" blicken auf viele Jahre Arbeit an der Basis zurück, ohne die es heute keine "people's bank" geben würde. Seit 1997 haben wir den Aufbau von Frauengruppen im Rahmen von Dorfentwicklungsprojekten gefördert. Die Mitglieder der Bank kommen aus 1525 gut funktionierenden Frauengruppen. 90 % der Frauen sind Dalits, die als Kastenlose am unteren Ende der indischen Gesellschaft stehen. Die meisten verdingen sich als landlose Tagelöhner in der Landwirtschaft, einige sind Klein- und Kleinstbauern, andere verdienen ihren mageren Lebensunterhalt als Straßenhändler. Die Organisation in Selbsthilfegruppen ist für die Frauen der entscheidende Schritt, ihre Armut an den Wurzeln zu bekämpfen und als Frauen eine gleichberechtigte Stellung in Familie und Gesellschaft einzunehmen. Sie lernen, die Ursachen ihrer Probleme zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Sie haben auch erfahren, dass sie gemeinsam stark sind. Mit viel Engagement und Fürsorge füreinander werden erstmalig soziale, politische und ökonomische Fortschritte erzielt. Nicht zuletzt haben diese Frauen mühsam Kleinstbeträge angespart und betreiben mit diesem Kapital ein internes Spar- und Kreditsystem.
Seit sieben Jahren arbeitet WED systematisch an der Entwicklung und Verbreitung einer von den lokalen Frauengruppen getragenen Mikrokreditinstitution, die sie "Manidham Grameen System" nennen. Im August 2004 war es dann soweit, die "Manidham Grameen Savings and Credit Services Ltd." wurde offiziell unter dem "Company's Act" als gemeinnütziger Mikrofinanzdienstleister registriert. Ein großer Erfolg und wichtiger Schritt, um eine nachhaltige Institution aufzubauen! Geleitet wird die Bank von einem Vorstand, indem sowohl gewählte Mitglieder aus den Dörfern als auch Vertreter von WED vertreten sind. Diese Kombination gewährleistet die Selbstbestimmung der armen Frauen und gleichzeitig die erforderliche Professionalität. Schritt für Schritt wird sich in der Zukunft unsere Partnerorganisation zurück ziehen und einen Großteil der Verantwortung in die Hände der Dorf- und Slumfrauen legen. Bis an die Basis mit ihren Frauengruppen bestehen weitere organisatorische Ebenen, jeweils mit gewählten Vertretern, die in Komitees zusammenarbeiten. Aus jeder Familie - im Sinne einer Kernfamilie - kann nur eine Frau Mitglied in der Bank werden. Es wird eine einmalige Eintrittsgebühr von 40 Rupien erhoben, sie muss Anteile in Höhe von 50 mal 10 Rupien erwerben, der Monatsbeitrag ist zwei Rupien und pro Woche müssen mindestens fünf Rupien in der Gruppe angespart werden.
Das Konzept ist sehr stark an den Bedürfnissen der ärmsten Bevölkerungsschichten orientiert. Sie haben keinerlei Zugang zu "normalen" Bankkrediten und verschulden sich im Bedarfsfall - im Krankheitsfall, für Schulbedarf wie auch für produktive Kredite z.B. für Saatgut und Dünger - bei privaten Geldverleihern, die Wucherzinsen (bis zu 120% im Jahr) verlangen. Ein Teufelskreislauf aus Armut und Verschuldung ist die Folge - Alltag in indischen Dörfern und Slums. Die Höhe der Zinsen ihrer eigenen Bank ist von den verschiedenen Kreditlinien abhängig. Im Falle eines Unfalls werden keine Zinsen verlangt, bei einem Kredit für einen Krankenhausaufenthalt 12%, für einkommensschaffende Maßnahmen 18% und für Familienbedürfnisse und Konsumkredite 20%. In Notfällen werden die Kredite sofort bewilligt und ausgezahlt, in anderen Fällen werden dafür ein bis zwei Wochen benötigt. Der Profit wird eingesetzt zur Finanzierung eines Reservefonds, für die administrativen Kosten (Personal, Fortbildungen etc.) sowie einen Wohltätigkeitsfonds. Letzterer ermöglicht die Auszahlung zinsloser Darlehen sowie die Einrichtung eines Kreditfonds für die weiterführende Ausbildung von Kindern aus armen Familien.
Die Zweigstelle in Kavarapettai im Distrikt Thiruvallur wurde als erste im Jahr 2001 gegründet. Die Mitglieder haben mit ihren Krediten z.B. Land und Milchkühe erworben. Gemeinschaftlich bestellen sie das Land, bauen Gemüse ökologisch an und beliefern Hotels mit Milch. In einigen Dörfern leisten alle Mitglieder einen Beitrag, um die Aussteuer in Form von Küchenutensilien für die Heirat einer Tochter zu finanzieren. Andere haben zusammen dafür gesorgt, dass ihr Dorf jetzt eine öffentliche Telefonzelle besitzt. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht mehr auf private Geldverleiher zum Überleben angewiesen sind.
Der Profit der Bank wird zweigleisig verwendet, zu sozialen Zwecken und um die Institution langfristig selbst zu tragen. So wird auch der, um auf Dauer erfolgreich zu sein, notwendigen Professionalität im Bankgeschäft Rechnung getragen. Die nationalen Banken erkennen das Kreditsystem von WED in hohem Maße an. In der Vergangenheit hat WED von verschiedenen nationalen Banken Kredite im Umfang von 40 Millionen Rupien (ca. 700.000 Euro) aufgenommen und diese an die Mitglieder der Selbsthilfegruppen mit großem Erfolg weiter verliehen. Durch den Zusammenhalt der Frauengruppen an der Basis, soziale Kontrolle und die Identifikation mit ihrer Bank werden sehr gute Rückzahlungsraten (97%) erreicht. In den Frauengruppen, auf Dorf und regionaler Ebene finden zahlreiche andere Aktivitäten im sozialen Bereich sowie zur Dorfentwicklung statt. Der Zugang zu Krediten ist somit nicht isoliert vom Entwicklungsprozess zu sehen, sondern als ein zentrales Instrument, nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.
Noch kann sich die Bank nicht selber tragen. Projektziel der aktuellen Phase ist es daher, die Mikrokreditinstitution „Manidham Grameen Savings and Credit Services Ltd.“ (MGSCS) organisatorisch und finanziell auf eigene Füße zu stellen, um armen und benachteiligten Frauen dauerhaft Zugang zu Krediten und somit nachhaltiger und integrierter Entwicklung zu gewährleisten. Zur Zeit fördern wir konkret:
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Die Stärkung der Strukturen auf den verschiedenen organisatorischen Ebenen und somit die Funktionsfähigkeit der Mikrokreditinitiative als Institution. Die Mitglieder, d.h. Frauen aus den Dörfern und Slums, werden darauf vorbereitet und geschult, mehr und mehr Verantwortung selbst zu übernehmen. Die bisher tragende Rolle des WED Trust wird in gleichem Maße zurück gehen. Eine Erhöhung der Mitgliederzahlen soll die Bank und ihre Strukturen ebenfalls stärken.
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Die Förderung der technischen und organisatorischen Fähigkeiten der Frauen als Unternehmerinnen / für Einkommen schaffende Maßnahmen. Bedarfsorientiert werden verschiedene Trainingsprogramme angeboten.
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Entwicklung einer Software für Projektsteuerung und Buchhaltung (Kreditvergabe, -rückzahlungen etc.)
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Einführung des Ratingssystems der staatlichen Bank zur Mobilisierung lokaler Kredite
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Fortbildungen der Projektmitarbeiter/innen (44 in den Zweigstellen, 5 Koordinatoren)
Das Projektpersonal, welches ausschließlich aus der Projektregion stammt, ist auf der Ebene der 21 Zweigstellen angesiedelt und besteht jeweils aus einem Leiter und 5 Bankmitarbeitern. Diese Mitarbeiter sind das Verbindungsglied zu den Frauen in den Dörfern und Slums. Ein Teil des notwendigen Personals (insgesamt 16 Mitarbeiter) kann bereits aus Zinseinnahmen selbst getragen werden. Insgesamt tragen die Partnerorganisation WED und die Frauen mehr als die Hälfte der Projektkosten bei (16 Mitarbeiter und 40 % der Programmkosten).
Für 2009 haben wir rund 32.000 Euro an Unterstützung zugesagt.
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