Karnataka: Abschaffung des Devadasi-Systems (Tempelprostitution)
SNEHA will die Tempelprostitution beendenWährend Ihres letzten Besuchs in Indien reiste eine Mitarbeiterin der Andheri-Hilfe in das Projektgebiet und traf mit einigen Tempelprostituierten, den Devadasis, zusammen. Bereitwillig erzählten sie ihr von ihrem Leben und ihren alltäglichen Problemen; ein großer Vertrauensbeweis wenn man bedenkt, dass das Problem in der Bevölkerung sonst totgeschwiegen wird. Seit 1999 arbeiten die Mitarbeiter von SNEHA in der Region im Bundesstaat Karnataka. Es wurden Selbsthilfegruppen organisiert, über aktuelle Probleme wie Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Kinderarbeit, Krankheiten, Umweltschäden diskutiert und Rehabilitationszentren für Kinderarbeiter eingerichtet. Vielen Menschen wurde somit eine Chance auf ein besseres Leben gegeben. SNEHA ist durch die Arbeit in den Dörfern auf das Problem der Devadasis aufmerksam geworden und hat die Situation intensiv studiert, um dagegen vorgehen zu können. Die derzeitige Situation der Tempelprostituierten und ihrer Kinder...Devadasis sind besonderes hübsche Mädchen aus unteren Kasten oder Kastenlose, die der Göttin in einem Tempel geweiht werden. Dieses Ritual hat lange Tradition im Hinduismus. Ehemals haben die Devadasis lediglich in den Tempeln getanzt und wurden bewundert. Doch das Bild hat sich gewandelt. Heute werden die Mädchen von wohlhabenden Männern des Dorfes sexuell missbraucht und geraten in die Prostitution. Für die erste Nacht mit einer Devadasi wird ein hoher Preis bezahlt. Die Devadasis werden in ihren Dörfern verachtet und ausgegrenzt. Sie können nicht heiraten. Für den Rest ihres Lebens arbeiten sie als Prostituierte und ergänzen ihr Einkommen durch Feldarbeit, wenn das Geld zum Überleben sonst nicht reicht. Sie haben meist mehrere Kinder von unterschiedlichen Männern, die von ihren Mitschülern gedemütigt werden und die Schule oft vorzeitig abbrechen. Die Mädchen werden häufig selbst zu Devadasis, weil ihnen kaum eine andere Möglichkeit bleibt. Der Gesundheitszustand dieser Familien ist schlecht, sie leiden an Blutarmut, Asthma und Geschlechtskrankheiten, viele haben AIDS. Offiziell ist das Devadasi System von der Indischen Regierung schon lange verboten, doch es wird trotzdem weiterhin praktiziert. ...und wie sie eine Chance auf ein neues Leben erhalten sollenDie Arbeit findet in 50 ausgewählten Dörfern statt. Mit Schulungen für die Dorfbewohner, Regierungsbeamte, Juristen, Presse und Polizei werden die Menschen auf das Problem und die Situation dieser Frauen aufmerksam gemacht, damit sie gegen die Verletzung der Rechte von Frauen und Kindern vorgehen können. Durch Kampagnen mit Einbeziehung der Presse wird die Regierung aufgefordert, endlich wirksame Maßnahmen einzuleiten. Gesundheitscamps werden errichtet, um Krankheiten zu identifizieren und die richtige Behandlung zu ermöglichen. Auch hat unsere Partnerorganisation in bisher 25 Dörfern bewusstseinsfördernde Programme (z. B. in Form von Straßentheater) im Bezug auf HIV/AIDS ausgeführt, womit 5.675 Menschen erreicht werden konnten. Den Kindern der Devadasis soll durch Schulungen ein neues Selbstbewusstsein ermöglicht werden, und die Bedürftigen werden unterstützt, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können. Für die Frauen werden Selbsthilfegruppen organisiert, in denen sie sich über ihre Probleme austauschen und gegenseitig mental helfen können. Mittlerweile haben sich 1571 Frauen in insgesamt 119 Selbsthilfegruppen zusammengefunden. Um die Integration zu fördern werden auch andere Frauen in den Gruppen aufgenommen, um z.B. gemeinsam zu sparen und einen kleinen Kreditfonds anzulegen. Das Motto "gemeinsam ist man (FRAU!) stark" trifft auf die Frauen mehr als zu: ihnen ist es gelungen, gemeinsam eine beachtliche Summe von 41.167 Rs. (das sind fast 700 Euro) anzusparen! Auch sind die Frauen durch die effektive Anleitung der Projektmitarbeiter zu einem großen Anteil mittlerweile kompetent genug, um finanzielle Angelegenheiten selbstständig zu managen. So wird die Lebenssituation der Devadasis und ihrer Kinder verbessert, und sie erhalten die Chance in ihrer Dorfgemeinschaft für ein besseres Ansehen zu kämpfen. Es ist nur ein Anfang, aber er wird hoffentlich dazu führen, dass der Traum von SNEHA wahr wird und das Devadasi-System in Zukunft ganz verschwindet.
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