Tamil Nadu: Förderung der sozio-ökonomische Entwicklung und Eigenständigkeit von Frauen
Im Distrikt Villupuram, der zu einer der am wenigsten entwickelten Regionen Tamil Nadus gehört, setzt sich die kleine NRO "Rural People Education and Development Centre" mit einem erfahrenen Team von Dalitfrauen (Dalits, die "Unberührbaren" befinden sich an unterster Stelle des indischen Kastensystems) für die Stärkung der Frauen in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Angelegenheiten ein. In dem ländlichen Gebiet, in welchem die Dorfgemeinden weitestgehend patriarchalisch geprägt sind, ist Gewalt an Frauen ebenso alltäglich wie eine geringe Partizipation von Frauen in der lokalen Politik. Es gibt kaum Möglichkeiten zur ökonomischen Eigenständigkeit, die Frauen haben in der Gemeinschaft und ihren Familien keine Stimme. Unterstützt werden sie dabei von der „Rural Women Development Federation“ (RDWF), die das Ergebnis eines erfolgreich abgeschlossenen vorhergegangen Projekts der Andheri-Hilfe in Kooperation mit derselben Partnerorganisation ist. Es handelt sich um eine Frauenbewegung auf Mikroebene; sie besteht aus 106 Frauen-Selbsthilfe-Gruppen aus 31 Dörfern mit über 2000 Mitgliedern. Das neue Projekt entstand auf Nachfrage aus neugierig gewordenen Frauen aus Nachbardörfern; die Frauen waren aufmerksam auf die Erfolge in den Projektdörfern geworden und wollten auch für sich eine positive Veränderung. Auf Grund des hohen Erfolgs des vorherigen Projekts und der Tatsache, dass die Leiterinnen des vorangegangen Projekts befähigt und souverän waren, den Prozess selbstständig fortzusetzen, wurde ein neues Projekt gestartet. Das Ziel soll sein, 3500 Frauen in 150 neuen Frauenselbsthilfegruppen zusammenzubringen, werden die Familienmitglieder mitgezählt werden 12.000 Personen von dem Projekt profitieren. Konkret wird sich um folgendes bemüht: den Mitgliedern der neu organisierten Frauengruppen sollen Denkanstöße sowie Planungs- und Handlungsmöglichkeiten dargelegt werden, für ihre Freiheit und Selbstständigkeit zu kämpfen. Dies geschieht in Form von Trainings, durchgeführt von der Partnerorganisation. Die Teilnehmer erlernen dort u. a. Führungsprinzipien, erlangen administrative Fähigkeiten und werden motiviert, sich für eine gleichberechtigte Behandlung in der Gemeinschaft und der Familie einzusetzen. Ein positiver Nebeneffekt ist, das es bei den Zusammenkünften zum Erfahrungsaustausch unter den Frauen kommt und somit in gemeinsamen Gesprächen neue Lösungsansätze entstehen. Der Kern des Projekts ist es, die Selbsthilfekapazitäten als auch die Entwicklung von Frauen zu fördern. Frauen aus ländlichen Gebieten sollen die Chance erhalten, ihren Lebensstandard zu verbessern; ihnen soll in denen von Männern dominierten Dorfgemeinschaften mehr Respekt und Würde entgegengebracht werden. So setzen sich die Frauengruppen u. a. gegen Gewalt von Frauen, Abtreibung und die Tötung von Mädchen ein. Das es mehr und mehr gelingt, die Frauen dazu zu animieren, selbstständig zu entscheiden und zu handeln zeigt eindeutig folgende Geschichte einer Frau aus dem Dorf Meyyur: „Als ich zum dritten Mal schwanger war, hatte ich bereits zwei Mädchen. Mein Mann und meine Schwiegereltern wollten das Geschlecht des Babys wissen und brachten mich in eine private Klinik zur Geschlechtsbestimmung. Als herauskam, dass es wieder ein Mädchen werden würde, sollte ich abtreiben, was zwar illegal aber weit verbreitet ist. Ich wehrte mich mit allen Mitteln. Als Mitglied einer Frauengruppe weiß ich, dass Mädchen genauso viel wert sind wie Jungen und kläre auch andere Frauen darüber auf! Mein Mädchen wurde geboren und wird geliebt und ich werde für meinen Mut geachtet." Die Bildung und Erweiterung der Frauenföderation und ihre zunehmende Akzeptanz in der Gesellschaft (vor allem der Männer) machen deutlich, das der richtige Weg eingeschlagen wurde. In den alten Dörfern hat die Frauenföderation die Verantwortung für die Projektaktivitäten Schritt für Schritt übernommen. Jetzt wird das Projektgebiet auf neue benachbarte Dörfer ausgeweitet. |
||||||
|
|
||||||